CBD ÖL UND DAS ENDOCANNABINOID-SYSTEM

WAS IST DAS ENDOCANNABINOIDE SYSTEM?
Stell dir vor, du sitzt in einem Raum mit vier Wänden, und jede dieser Wände ist mit 100 Thermostaten bedeckt. Jeder Thermostat reguliert eine grundlegende lebenswichtige Funktion. Das endocannabinoide System (ECS) vereint die Wirkungsweise all dieser „Thermostate“ zu einem dynamischen System. Als Hauptregulator steuert das ECS eine breite Palette physiologischer Prozesse, wie zum Beispiel die Wundheilung, den Blutdruck, das Schmerzempfinden, die Gehirnzellenproduktion, den Glukosestoffwechsel und die Immunfunktion zur Kontrolle von Entzündungen.
„Die Modulation der Aktivität des endocannabinoiden Systems könnte therapeutisches Potenzial bei nahezu allen Krankheiten haben, die Menschen betreffen.“
Wenn wir uns beispielsweise in einer Gefahrensituation befinden, steigt die Konzentration der Stresshormone (Cortisol und Adrenalin) im Körper an. Sobald die Bedrohung vorbei ist und sich die Lage normalisiert, verlangsamt das ECS die Stressreaktion und bringt diese Hormone auf ihr Basisniveau zurück.
Ähnlich ist es, wenn wir krank sind: Das endocannabinoide System erhöht unsere Körpertemperatur, um Eindringlinge zu bekämpfen, und stellt sie wieder auf ein normales Niveau zurück, wenn Fieber nicht mehr notwendig ist. Wenn das ECS seine Aufgabe nicht richtig erfüllen kann, wird die Entzündungsreaktion nicht abgebremst, und gesundes Gewebe kann geschädigt werden. (Autoimmunerkrankungen deuten auf eine Dysfunktion des ECS hin.)
Die Wissenschaft weiß heute, dass eine Fehlregulation des ECS der Ursprung vieler Krankheiten ist, darunter Krebs, Diabetes, Alzheimer, chronische Schmerzen, Schlafstörungen und Sucht. Die gesundheitlichen Vorteile eines ausgeglichenen endocannabinoiden Systems sind so bedeutend, dass 2013 Forscher der National Institutes of Health (NIH) der USA, Pal Pacher und George Kunos, erklärten: „Die Modulation der Aktivität des endocannabinoiden Systems könnte therapeutisches Potenzial bei nahezu allen Krankheiten haben, die Menschen betreffen.“
Es gibt Ärzte, die die Funktionsweise des endocannabinoiden Systems als eine der bedeutendsten medizinischen Entdeckungen seit Einführung steriler Operationstechniken ansehen.
Da die Inhaltsstoffe des CBD öls das endocannabinoide System modulieren, ist leicht nachvollziehbar, warum dieser Bereich auch große Pharmaunternehmen beschäftigt. In England ist seit 2014 das Produkt Sativex der Firma GW Pharma erhältlich, das im Verhältnis 1:1 CBD* und THC* enthält. Die Anwendung wird von der Krankenkasse unterstützt, wenn andere Medikamente keine Wirkung zeigen, vor allem bei Patienten mit Multipler Sklerose. – *CBD und THC sind die beiden bekanntesten und am intensivsten erforschten therapeutisch wirksamen Verbindungen der Cannabispflanze. –
Wichtige Meilensteine bei der Entdeckung des endocannabinoiden Systems
Das ECS wurde Ende des 20. Jahrhunderts entdeckt, als Forscher den Wirkmechanismus der Cannabispflanze untersuchten. Der Durchbruch gelang dem israelischen Wissenschaftler Raphael Mechoulam in den 1960er bis 1990er Jahren:
1964 – Mechoulam und Mitarbeiter identifizierten und isolierten Tetrahydrocannabinol (THC), den psychoaktiven Wirkstoff der Cannabispflanze.
1988 – Der CB1-Cannabinoidrezeptor wurde erstmals im Gehirn identifiziert.
1992 – Mechoulam und sein Kollege William Devane entdeckten das erste Endocannabinoid, Anandamid.
1993 – Entdeckung des CB2-Rezeptors, der hauptsächlich auf Immunzellen vorkommt.
1995 – Entdeckung des zweiten Hauptendocannabinoids, 2-Arachidonoylglycerin (2-AG).
HAUPTBESTANDTEILE DES ENDOCANNABINOID-SYSTEMS
1. Cannabinoidrezeptoren:
Sie sind wie winzige Empfangstore, die auf der Oberfläche von Zellen in unserem Gehirn, Zentralnervensystem und anderen Organen sitzen. Sie empfangen wichtige Signale darüber, was im Körper passiert, sodass diese Zellen bei Bedarf entsprechende Maßnahmen ergreifen können. Die Cannabinoidrezeptoren werden in zwei Haupttypen unterschieden: CB1 und CB2. Beide kommen im ganzen Körper vor, wobei CB1-Rezeptoren vor allem im Gehirn und Zentralnervensystem zu finden sind, und CB2-Rezeptoren vor allem im Immunsystem konzentriert sind. Beide Rezeptortypen finden sich auch in Haut, Leber, Nieren, Herz und weiteren inneren Organen.

Funktionen der CB1-Rezeptoren
Die CB1-Rezeptoren befinden sich hauptsächlich im Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark), kommen aber auch in geringerem Maße in anderen Organen vor. Die CB1-Rezeptoren konzentrieren sich vor allem an folgenden Stellen und erfüllen dort die folgenden Funktionen:
Gehirn – insbesondere im Hippocampus (Gedächtnis und Lernen), der Großhirnrinde (Denken und Entscheidungsfindung), den Basalganglien (Bewegungskontrolle), dem Kleinhirn (Bewegungskoordination) und der Amygdala (emotionale Verarbeitung).
Rückenmark – Regulierung von Schmerzempfinden und Sinneswahrnehmung.
Peripheres Nervensystem – Beeinflussung von Schmerzempfinden und Muskelfunktion.
Fettzellen – Regulation des Stoffwechsels und der Energiebilanz.
Leber – Beeinflussung des Fettstoffwechsels und der Insulinsensitivität.
Lunge und Verdauungstrakt – Regulation der Darmbewegungen und des Appetits.
Geschlechtsorgane – mögliche Rolle bei Reproduktionsprozessen.
CB1-Rezeptoren beeinflussen vor allem die Nervenfunktionen und spielen daher eine große Rolle bei Schmerzlinderung, Bewegungskoordination, Gedächtnis, Appetit und emotionaler Regulation. Das in Vollspektrum CBD öl enthaltene THC, das für die psychoaktive Wirkung der Cannabispflanze verantwortlich ist, bindet hauptsächlich an die CB1-Rezeptoren.
Verteilung und Funktionen der CB2-Rezeptoren
Die CB2-Rezeptoren befinden sich vor allem in peripheren Organen und dem Immunsystem, sind aber auch in geringerer Zahl im Gehirn zu finden. Hauptsächlich kommen sie an folgenden Orten vor und erfüllen dort folgende Funktionen:
Immunzellen – Makrophagen, T-Zellen, B-Zellen (Regulierung von Entzündungsprozessen und Immunantwort).
Milz – Immunfunktion und Reduktion von Entzündungen.
Mandeln – Unterstützung der Immunabwehr.
Darm – Regulation von entzündlichen Darmerkrankungen und des Mikrobiom-Gleichgewichts.
Leber – Regulierung von Lebererkrankungen und Stoffwechselprozessen.
Knochen – Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau.
Haut – Behandlung entzündlicher und Autoimmunerkrankungen der Haut wie Ekzem und Psoriasis.
CB2-Rezeptoren sind vor allem an der Regulierung des Immunsystems und entzündlicher Prozesse beteiligt. CBD (Cannabidiol) beeinflusst die Funktion der CB2-Rezeptoren indirekt, was zur entzündungshemmenden und schmerzlindernden Wirkung beitragen kann.
2. Endocannabinoide:
Das sind Moleküle – unsere körpereigenen Cannabinoide –, die an Cannabinoidrezeptoren binden und diese aktivieren, ähnlich einem Schlüssel, der ein Schloss dreht. Wissenschaftler haben zahlreiche Endocannabinoide identifiziert, von denen zwei die am weitesten verbreiteten sind: 2-Arachidonoylglycerin (2AG) und Anandamid, benannt nach dem Sanskrit-Wort ananda, was Glück bedeutet, da es stimmungsaufhellend wirkt. 2AG und Anandamid interagieren mit denselben Rezeptoren wie die nützlichen Bestandteile der Cannabispflanze, einschließlich CBD und THC.
Die Wirkung von CBD auf Anandamid ist besonders wichtig!
CBD erhöht indirekt den Anandamidspiegel im Körper auf folgende Weise:
Hemmung des FAAH-Enzyms
Anandamid wird im Körper schnell durch das Enzym FAAH (Fatty Acid Amide Hydrolase) abgebaut.
CBD hemmt die Aktivität von FAAH, sodass Anandamid länger aktiv im Körper bleibt.
Dies bewirkt eine Verstärkung der Anandamid-Wirkung, die zur Schmerzlinderung, Verringerung von Angstzuständen und allgemeinem Wohlbefinden beitragen kann.
Hemmung der Wiederaufnahme von Anandamid
Normalerweise wird Anandamid schnell in Zellen zurückgeführt und abgebaut.
CBD verhindert die schnelle Wiederaufnahme von Anandamid, sodass es länger im Blutkreislauf und zwischen Nervenzellen verbleibt.
Dadurch kann es länger die CB1- und CB2-Rezeptoren beeinflussen.
Indirekte Aktivierung des CB1-Rezeptors
Anandamid bindet hauptsächlich an CB1-Rezeptoren, die im Gehirn vorkommen und dort Nervenfunktionen regulieren.
CBD bindet nicht direkt an den CB1-Rezeptor, verstärkt aber indirekt durch die Verlangsamung des Anandamidabbaus die Aktivität der CB1-Rezeptoren.
Das kann zur Reduktion von Stress, Angst und Schmerz sowie zu neuroprotektiven Effekten beitragen.
Welche Wirkungen kann die Wechselwirkung zwischen CBD und Anandamid haben?
Schmerzlinderung
Die Aktivierung von Anandamid und CB1-Rezeptoren kann chronische Schmerzen, z. B. neuropathische Schmerzen oder entzündliche Erkrankungen, lindern.
Angst- und Stressreduktion
Ein höherer Anandamidspiegel kann Angst reduzieren, die Stimmung verbessern und bei der Behandlung von PTBS und anderen stressbedingten Störungen helfen.
Neuroprotektive Effekte
Eine erhöhte Anandamid-Aktivität kann Nervenzellen schützen und bei neurodegenerativen Erkrankungen (z. B. Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose) hilfreich sein.
Verbesserung der Schlafqualität
Anandamid spielt auch eine Rolle bei der Regulierung des zirkadianen Rhythmus, daher kann CBD bei Schlaflosigkeit und Schlafstörungen hilfreich sein.
Entzündungshemmende Wirkung
Sowohl CBD als auch Anandamid beeinflussen Entzündungsprozesse und können so bei Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel rheumatoider Arthritis oder Morbus Crohn, hilfreich sein.
3. Metabolische Enzyme:
Diese Enzyme sind Proteine, die chemische Reaktionen beschleunigen und den Spiegel von 2AG, Anandamid und anderen Cannabinoiden regulieren. Sie sind an der Produktion von Endocannabinoiden beteiligt, wenn sie benötigt werden, sowie am Abbau und der Vernichtung, sobald die Endocannabinoide ihr Ziel erreicht haben.

CBD – DAS EINDRINGENDE MOLEKÜL
Vor Kurzem entdeckte man die vierte Komponente des ECS – Transportmoleküle, die als „Fähren“ für Endocannabinoide fungieren und sie genau dorthin bringen, wo sie gebraucht werden. Diese als Fettsäure-bindende Proteine bekannten Transportmoleküle sind entscheidend für die Wirkung von CBD öl.
Als die Forscher die endogenen Cannabinoide (2AG und Anandamid) entdeckten, stellte sich die Frage, wie diese Moleküle durch das wasserreiche Innere des Körpers gelangen. Schließlich besteht Blut hauptsächlich aus Wasser, Cannabinoide sind aber fettige Lipide – Öl und Wasser vermischen sich bekanntlich schlecht. Ein wichtiger Durchbruch war 2009 die Identifizierung spezifischer Transportmoleküle für endogene Cannabinoide.
Wie der Name schon sagt, binden diese fettsäurebindenden Proteine an Fettlipide, wie eben die Cannabinoide. Im Blutkreislauf wirken diese Proteine wie eine molekulare Fähre, die Cannabinoide aufnimmt und sie durch die Zellmembran ins Zellinnere transportiert, wo sie mit den auf der Zellkernoberfläche gelegenen Rezeptoren interagieren. Diese als Peroxisom-Proliferator-aktivierte Rezeptoren, kurz PPARs, bekannten Rezeptoren regulieren die Genexpression, den Energie- und Stoffwechsel sowie andere wichtige physiologische Prozesse. Es stellte sich heraus, dass CBD hier als VIP-Passagier auf diesen Fähren reist, was großen Anteil daran hat, warum CBD eine so tiefgreifende therapeutische Wirkung entfalten kann.

Wenn du CBD öl benutzt, setzt CBD praktisch unsere eigenen Cannabinoide (2AG, Anandamid), die auf den angesprochenen molekularen Fähren warten, ein bisschen zur Seite und sorgt dafür, dass es zuerst zur Zelle gelangt. Das bedeutet, dass die natürlichen Cannabinoide länger auf der Zelloberfläche verbleiben und somit mehr Zeit zur Aktivierung der CB1- und CB2-Rezeptoren haben.
Im Grunde hemmt CBD die Wiederaufnahme der körpereigenen Cannabinoide und verlängert dadurch deren Lebenszyklus, was viele therapeutische Vorteile bringen kann. CBD steigert den „Tonus“ des endocannabinoiden Systems, indem es eine verlängerte Dosiswirkung von Cannabinoiden verursacht. Dies könnte einer der Schlüsselmechanismen sein, durch die CBD das Gehirn schützt, Stress lindert und bestimmte Krankheiten bekämpft.
Dies ist jedoch nicht der einzige Weg, wie CBD mit dem endocannabinoiden System interagiert. Neben der Erhöhung des Endocannabinoidspiegels kann CBD die Funktion und Wirkung der Cannabinoidrezeptoren verändern und modulieren. THC – die psychoaktive Substanz der Cannabispflanze – bindet direkt an sowohl CB1- als auch CB2-Rezeptoren, wie ein Schlüssel, der in ein Schloss passt und diese aktiviert. CBD hingegen bindet nicht direkt an die Rezeptoren, um ein Signal auszulösen, sondern feinjustiert die Signalübertragung, die durch THC oder endogene Cannabinoide ausgelöst wird.
Präklinische Studien zeigen, dass CBD als allosterischer Modulator am CB1-Rezeptor wirkt. Das bedeutet, dass es die Signalübertragung des Rezeptors beeinflusst, ohne selbst das Signal zu initiieren. Man kann sich den CB1-Rezeptor wie einen Dimmer-Schalter vorstellen, den CBD herunterregulieren kann. Dies ist einer der Mechanismen, mit denen CBD die psychoaktive Wirkung von THC reduziert, ohne dessen therapeutische Wirkung zu mindern.
Gleichzeitig verstärkt CBD die Signalübertragung am CB2-Rezeptor, der Entzündungen und Immunzellenaktivität reguliert. Wie und warum CBD eine entzündungshemmende Reaktion und andere CB2-vermittelte Effekte auslöst, ist noch wissenschaftliches Rätsel.
Klar ist jedoch: CBD kann das endocannabinoide System feinjustieren, indem es die Aktivität der CB1- und CB2-Rezeptoren in unterschiedliche Richtungen moduliert – die Aktivität des ersteren dämpfend, die des letzteren verstärkend. Diese Eigenschaft kann tiefgreifende positive Auswirkungen haben, besonders bei Stoffwechselstörungen, Fettleibigkeit, Lebererkrankungen und anderen ernährungsbedingten Krankheiten.
Zusammenfassung
Das endocannabinoide System ist ein wichtiges regulatorisches Netzwerk unseres Körpers, das dazu beiträgt, das innere Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, und eine Rolle bei der Steuerung von Schmerzwahrnehmung, Entzündungen, Schlaf, Stimmung und Immunfunktion spielt.
Das CBD öl interagiert durch die aus der Cannabispflanze stammenden Phytocannabinoide mit diesem System: Es beeinflusst indirekt die Funktion der CB1- und CB2-Rezeptoren und kann dazu beitragen, die Wirkung der körpereigenen Endocannabinoide – wie Anandamid – zu verstärken. Dadurch unterstützt es das natürliche Gleichgewicht des Körpers und trägt zum allgemeinen Wohlbefinden bei.
Das CBD öl wirkt nicht gegen ein einzelnes Problem, sondern kann über das endocannabinoide System die regulativen Prozesse des Körpers fördern und so zu einem ausgeglichenen Funktionszustand und allgemeinem Wohlbefinden beitragen.
Wichtig zu erwähnen ist, dass CBD öl kein Wundermittel ist! Die Grundlagen für den Erhalt unserer Gesundheit sind regelmäßig Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ein stressfreier Lebensstil. Kein Aspekt davon wird durch CBD ersetzt! Besprich die Verwendung von CBD-haltigen Produkten vorab mit deinem Arzt!
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