Die Auswirkungen von Alkohol auf den Schlaf

Wie wirkt sich Alkohol auf den Schlaf aus?
Viele von uns haben es schon erlebt, vor dem Schlafengehen ein Glas Wein oder ein, zwei Bier zu trinken, einfach weil wir den Eindruck haben, dass es entspannt und uns das Einschlafen erleichtert. Für manche gehört das zum abendlichen Ritual, ohne zu wissen, wie schädlich das sein kann.
Um den Prozess besser zu verstehen, sollten wir uns zuerst mit dem Begriff REM-Schlaf vertraut machen.
Was ist REM-Schlaf und warum ist er wichtig?
Während wir schlafen, wechseln sich zwei Schlafphasen ab, der REM (Rapid Eye Movement) und der NREM (Non-Rapid Eye Movement)-Schlaf.
Der REM-Schlaf ist jener Teil des Schlafzyklus, der durch schnelle, seitliche Augenbewegungen gekennzeichnet ist. Diese Phase tritt meist in der zweiten Hälfte der Schlafzeit auf und ist bedeutender, als viele vermuten.
Träume & Kreativität: Im REM-Schlaf erleben wir die lebhaftesten und komplexesten Träume. Studien deuten darauf hin, dass diese Träume bei der Problemlösung, kreativem Denken und der Entwicklung neuer Ideen helfen können. Kein Wunder, dass man sagt: „Schlaf erst nochmal eine Nacht darüber!“
Emotionale Verarbeitung: REM-Schlaf ist entscheidend für die Verarbeitung emotionaler Erinnerungen und die Aufrechterhaltung der emotionalen Gesundheit. Diese Phase unterstützt die emotionale Integration der Erfahrungen des vorangegangenen Tages und trägt so zur mentalen Stabilität bei. Emotionen spielen eine wichtige Rolle bei der Speicherung und dem Abruf von Erinnerungen. Sie können bestimmte Teile des Gedächtnisses aktivieren und so den Zugriff auf Erinnerungen erleichtern. So kann ein uraltester Geruch uns plötzlich unmittelbar in eine bestimmte Kindheitserinnerung oder eine andere prägende Lebensphase zurückversetzen.
Gedächtnis & Lernen: Der REM-Schlaf spielt eine Rolle bei der Festigung von Erinnerungen, insbesondere bei komplexen, abstrakten oder neuen Informationen. Diese Schlafphase hilft, neues Wissen zu verankern und komplexe Fähigkeiten zu erlernen.
Gehirnfunktion & neuronale Verbindungen: Im REM-Schlaf ist das Gehirn aktiv und unterstützt die Entwicklung und den Erhalt neuronaler Netzwerke. Dies ist besonders wichtig für das sich entwickelnde Gehirn! Kein Zufall also, dass in den etwa zwei Wochen vor der Geburt, wenn sich die neuronalen Verbindungen im Gehirn mit Turbo-Geschwindigkeit bilden, der Fötus fast ausschließlich im REM-Schlaf ist, statt zu gleichen Teilen REM und NREM zu schlafen. Auch in Säuglings- und Kleinkindalter verbringen wir den Großteil des Schlafs in der REM-Phase.
Stressbewältigung & mentale Gesundheit: Es wurde beobachtet, dass REM-Schlafmangel mit Stress, Depressionen und anderen psychischen Gesundheitsproblemen zusammenhängt. Studien zeigen, dass REM-Schlaf bei der Verarbeitung von stressigen oder traumatischen Ereignissen helfen kann.
REM-Schlaf beeinflusst also maßgeblich unsere emotionale Stabilität, Kreativität und Lernfähigkeit.
Was hat der REM-Schlaf aber mit Alkohol zu tun?
Alkohol gibt uns das Gefühl, leichter einzuschlafen, doch der daraus resultierende anfängliche Tiefschlaf wird durch einen seichten Schlaf ersetzt, besonders im zweiten Schlafzyklus, in dem der REM-Schlaf eigentlich dominanter würde.
Alkohol eliminiert praktisch vollständig die REM-Phase unseres Schlafzyklus, wodurch wir alle Vorteile verlieren, die uns der REM-Schlaf bieten würde.
Selbst wenn man durch Alkohol schneller einschläft, ist die Qualität des Schlafs meist schlechter. Alkohol beeinflusst die Schlafarchitektur und reduziert die erholsame Wirkung des Schlafs.
Langfristig kann das zahlreiche schädliche Auswirkungen haben, vor allem in den ersten Lebensjahren. Die frühe Entwicklungsphase, einschließlich der fetalen und Säuglingsphase, ist entscheidend für die Gehirn- und Nervensystementwicklung.
REM-Schlafstörungen können die Gehirnentwicklung beeinträchtigen und zur Entstehung bestimmter neurologischer Störungen beitragen. Aus den Untersuchungen des renommierten Schlafforschers Matthew Walker lässt sich schließen, dass der Mangel oder die regelmäßige Störung des fetalen REM-Schlafs mit der späteren Entstehung von Autismus in Verbindung gebracht werden kann.

Hat die stillende Mutter einen Blutalkoholspiegel von 0,08 %, ist dieser Wert auch in der Muttermilch vorhanden. Bereits ein Glas Wein während des Stillens kann den REM-Schlaf des Säuglings erheblich beeinträchtigen und dauerhafte Schäden verursachen, da das durch REM-Schlafmangel entstandene Defizit später vom Gehirn nicht mehr ausgeglichen werden kann.
Im Erwachsenenalter verschlechtert eine häufige Störung des REM-Schlafs die Lernfähigkeit, das allgemeine emotionale Befinden und trägt maßgeblich zur Entwicklung von Depressionen bei.
Insgesamt lässt sich sagen, dass Alkohol die Schlafqualität negativ beeinflussen kann, was langfristig Gesundheit und Wohlbefinden schädigen kann. Eine Reduzierung des Alkoholkonsums, insbesondere vor dem Schlafengehen, kann die Schlafqualität und die allgemeine Gesundheit verbessern!

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